Liberale fordern schnelle Züge auf der Frankenbahn

Die FWV/FDP-Fraktion im Regionalverband fordert bessere und schnellere Bahnverbindungen auf der Frankenbahn, eventuell auch durch einen privaten Betreiber, so schreibt die Heilbronner Stimme:

Einen Intercity-Express (ICE) erwartet niemand mehr. Dass aber die ganze Region Heilbronn-Franken im Windschatten des schnellen Bahn-Fernverkehrs liegt, ist nicht nur ein Ärgernis, sondern auch ein wirtschaftlicher Nachteil. Einen neuen Anlauf, dies zu ändern, wagt jetzt die FWV/FDP-Fraktion im Regionalverband. Kernforderungen ihres Antrags: Wiederbelebung der schnellen Südverbindung, die früher von Zürich, Stuttgart und Heilbronn nach Würzburg und Berlin reichte, und Reaktivierung der Schnellverbindung Stuttgart – Nürnberg über Backnang und Schwäbisch Hall-Hessental.

Konsensfähig
Der stellvertretende Fraktionschef in der Regionalversammlung, Nico Weinmann, die Hohenloher FDP-Kreisvorsitzende Ute Oettinger-Griese und der Heilbronner FDP-Bundestagsabgeordnete Michael Link stellten gestern ihren Antrag der Presse vor – bei Regionalverbandsdirektor Klaus Mandel ist er bereits eingereicht. Bei der FWV/FDP ist man überzeugt, dass die anderen Fraktionen die Forderungen mittragen können, denn derzeit bestehe ein „eklatantes Missverhältnis zwischen diesem Nachteil und der Wirtschaftskraft und dem Bevölkerungswachstum der Region“. Die spräche dann „mit einer Sprache“. Und es gäbe mehr Akzeptanz für das Projekt Stuttgart 21.
Beide Vorhaben setzen hohe Investitionen voraus, um die Strecken fit und zweispurig zu machen. Für die Strecke nach Würzburg, der sogenannten Frankenbahn, bei der ja auch gegen die Defizite im Regionalverkehr gekämpft wird, sind Fakten auf dem Tisch. 23 Millionen Euro und die Jahreszahl 2016 als vage formulierter, frühester Zeitpunkt der Besserung.
Eine Jahreszahl haben auch die FWV/FDP-Regionalpolitiker nicht. Aber Weinmann und die anderen beiden sehen zwei „Lichtblicke“. Die Teilprivatisierung der Deutschen Bahn bringe frisches Geld. Und wenn es gelänge, die Infrastruktur (Strecken) auf Vordermann zu bringen, fänden sich vielleicht auch private Betreiber.

Privatisierung nutzen
Eine „einmalige Gelegenheit, noch etwas zu verbessern“, sieht Michael Link. Weil der Bundesrat gerade einstimmig einen Antrag für ein Gesetz beschlossen hat. Es heißt Schienen-Personen-Fern-Verkehrs-Daseinsvorsorgegesetz. Im Klartext geht es darum, dass gute Fernverkehrsverbindungen als Daseinsvorsorge definiert werden. Käme das Gesetz durch, müsste der Bund mehr Geld für den Streckenausbau in die Hand nehmen. Von 2,5 Milliarden Euro jährlich ist die Rede. So wollen die Länder verhindern, dass die Milliarden aus der Bahnprivatisierung im allgemeinem Bundeshaushalt untergehen und die Bahn ihr Geld weiter auf Kosten von Regionalstrecken nur in den Ausbau der großen ICE-Magistralen steckt.
Parallel dazu könne sich die Region bemühen, für die Strecke Stuttgart – Heilbronn – Würzburg einen privaten Betreiber zu finden. Erfolgsbeispiele gebe es – auch für Strecken, die die Deutsche Bahn zuvor für unrentabel erklärt hatte. Ute Oettinger-Griese: „Das ist eine Frage der Qualität des Angebots.“

Der FWV/FDP-Antrag im Detail findet sich hier.

Frankenbahn: Bis 2016 keine zusätzlichen Züge

Region Heilbronn – Auf der Frankenbahn zwischen Heilbronn und Würzburg fahren mindestens bis zum Jahr 2016 nicht mehr Züge als bisher. Das sagte jetzt der Staatssekretär im baden-württembergischen Innen- und Verkehrsministerium, Rudolf Köberle. Unabhängig davon will das Ministerium weiter prüfen, wie die Verbindung zwischen Heilbronn und Würzburg verbessert werden kann. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage unserer Zeitung mit. 2016 läuft der Vertrag des Landes mit der Deutschen Bahn aus.

Hier der ganze Artikel aus der Heilbronner Stimme.

VCD beklagt Versäumnisse der Landesregierung beim Bahnverkehr in Nord-Württemberg

Gutachteritis soll von Verantwortlichkeit des Landes ablenken

Die wiederholten Äußerungen von Staatssekretär Köberle, die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf der Bahnstrecke Stuttgart — Heilbronn — Würzburg („Frankenbahn“) sei ein wichtiges Anliegen der Landesregierung, wird vom Umwelt- und Verbraucherverband Verkehrsclub Deutschland (VCD) e.V. kritisch hinterfragt.

VCD-Vorsitzender Matthias Lieb: „Die Landesregierung hat die Fahrpläne der Frankenbahn in den Jahren 2005 und 2007 systematisch ausgedünnt und das von ihr verantwortete Nahverkehrsangebot für die Bürger massiv verschlechtert. Trotz jahrelanger Ankündigungen weigert sich das Land bis heute, einen Stundentakt zwischen Stuttgart und Würzburg einzurichten. Nach einem klaren Bekenntnis zur Frankenbahn sieht dies nicht aus.“

Die ganze Pressemitteilung findet sich auf der VCD-Website.

Frankenbahn vor Ausschreibung?

Frankenbahn Würzburg-Stuttgart-Heilbronn

Frankenbahn Würzburg-Stuttgart-Heilbronn

Durch eine Ausschreibung der Verkehrsleistungen auf der Frankenbahn Stuttgart-Heilbronn-Würzburg will das verantwortliche Innenministerium von Baden-Württemberg für einen besseren Bahnkomfort und einen Stundentakt sorgen.

Das gibt das Ministerium in einem Interview mit Scritti.de am 19. Juni 2008 bekannt. Statt DB Regio könnten dann auch andere Unternehmen mit modernen Fahrzeugen zum Zuge kommen. Wann die Verbesserungen kommen sollen, steht noch nicht fest. Das Innenministerium geht davon aus, dass die heutigen Schrottzüge bis 2016 im Einsatz bleiben. Ein konkretes Konzept scheint es in Stuttgart nicht zu geben.

Hier geht es zum Interview

Im Gegensatz dazu Bayern, wo man den Verkehrsvertrag mit DB Regio viel besser verhandelt hat und lieber heute als morgen die Frankenbahn ausschreiben möchte.

Inzwischen hat übrigens auch der Grüne Michael Cramer im Europaparlament nachgehakt, ob es sich auch beim „Verkehrsvertrag zwischen der Deutschen Bahn und dem Land Baden-Württemberg um unerlaubte Beihilfen“ handelt…

Verkehrspolitik à la Baden-Württemberg

Stuttgart 21 soll ja nun gebaut werden. Offizielle Kostenschätzung 2007 rund 4,8 Milliarden Euro: 2.800.000.000 Euro für den Tunnelbahnhof in Stuttgart, 2.000.000.000 Euro für die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm. Neuste Gutachten gehen davon aus, dass diese Zahlen wieder einmal schön gerechnet sind und nicht ausreichen werden, mindestens das Doppelte scheint realistisch, die Landesregierung gibt inzwischen Preissteigerungen zu, die die 5 Milliarden-Grenze sprengen. Aber was sind schon 5 Milliarden Euro?

Zum Vergleich:

Die Gäubahn Stuttgart-Singen-Schaffhausen(-Zürich) ist seit dem Zweiten Weltkrieg auf weiten Abschnitten nur eingleisig und müsste dringend saniert und wieder zweigleisig ausgebaut werden. Dafür kämpft die Region vor Ort seit langem. Bis 2012 soll es Verbesserungen und eine Beschleunigung des ICE-Verkehrs geben. Für einen durchgehenden zweigleisigen Ausbau und eine Modernisierung der Strecke fehlt das Geld. Zugesagt hat der Bund bisher nur 10 Mio. Euro (!) für das zweite Gleis bei Horb. Allein für die Beschleunigung zwischen Singen und Horb sind aber 50 Mio. Euro Baukosten kalkuliert…

Die Rheintalbahn von Karlsruhe über Offenburg nach Basel stellt für die Schweiz die wichtigste Zulaufstrecke für den geplanten Gotthard-Basistunnel und den Schienengüterverkehr dar. Es gibt Vereinbarungen zum viergleisigen Ausbau der Strecke bis 2018, an der Finanzierung auf deutscher Seite beteiligt sich sogar die Schweiz – freiwillig! Doch nach derzeitiger Verteilung der Finanzmittel und bei Beibehaltung des Bautempos wird die Strecke erst 2025 fertig – frühestens…

Die Südbahn Ulm-Friedrichshafen(-Lindau) ist zwar zweigleisig ausgebaut, aber nicht elektrifiziert. Seit Jahren gibt es Diskussionen, die Strecke endlich zu elektrifizieren und zu modernisieren, schon wegen ihrer möglichen Funktion als Zulaufstrecke zu den neuen Schweizer Alpentunneln. Es passiert jedoch nichts – kein Geld…

Die Frankenbahn Würzburg-Heilbronn(-Stuttgart) ist vor allem hinsichtlich der Streckentechnik in einem beklagenswerten Zustand. Zwar ist die Linie weitgehend zweigleisig und elektrifiziert, es gibt jedoch eine eingleisige Lücke, die den Betrieb teilweise behindert. Dieser Lückenschluss sowie eine Anpassung der Strecke für Tempo 140 würde rund 28 Mio. Euro kosten. Anfang 2008 soll nun ein weiteres Gutachten Aufschluss darüber geben, ob sich ein Streckenausbau wirklich lohnt. Das Brisante: Das 200.000-Euro teure Gutachten wird nun von der Stadt Heilbronn und den betroffenen Landkreisen finanziert, weil Land Baden-Württemberg und DB Netz sich weigern, hier irgendetwas zu tun…

Die Krebsbachtalbahn Neckarbischofsheim – Hüffenhardt (Eigentümer Infrastruktur Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft SWEG, eine 100prozentige Tochter des Landes Baden-Württemberg) wird im Rahmen des Ausbaus der S-Bahn Rhein-Neckar noch 2008 endgültig stillgelegt. Die Infrastruktur ist veraltet, für einen Weiterbetrieb gibt es kein Konzept, angeblich weder Fahrgäste noch Güterkunden und vom Land auch kein Geld…

Beim Ausbau der Bahnstrecke von Ulm nach Augsburg herrscht Stillstand – das berichtet am 13.6.2008 die Augsburger Allgemeine. Bund, DB und Land Bayern sind sich einig: Aus dem Projekt – der Region immer wieder als Ausgleich für die Abkopplung von der ICE-Neubaustrecke München-Ingolstadt-Nürnberg versprochen – wird vorerst nichts. Kein Geld. Aktuelle Planungen mit verlässlichen Kostenansätzen gebe es für Ulm-Augsburg nicht, frühere „Grobplanungen“ seien „nicht mehr seriös“…

Fortsetzung folgt…