Der ökologische Verkehrsclub Deutschland VCD in der Region Hall-Heilbronn-Hohenlohe kritisiert die vom Land Baden-Württemberg geplanten Verschlechterungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) der Frankenbahn ab 13. Dezember 2026. Wie vom Land Baden-Württemberg und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) bereits angekündigt, wird die stündliche MetropolExpress (MEX) Linie 18 auf die Verbindung Tübingen – Stuttgart – Heilbronn eingekürzt. Die bisherige Durchbindung der Linie bis nach Osterburken entfällt. Künftig muss in Heilbronn Hbf zur halben Stunde auf die neue Regionalbahn Linie 86 Heilbronn – Osterburken umgestiegen werden. Die Umsteigezeit beträgt in beide Richtungen jeweils vier Minute, wodurch nach VCD-Ansicht verpasste Anschlüsse und großer Ärger bei den Fahrgästen vorprogrammiert sind.
Zusammen mit dem MEX 12 verkehrt der MEX 18 künftig halbstündlich bis Heilbronn Hbf. Bisher fuhr der MEX 18 zur halben Stunde von Heilbronn weiter über die Frankenbahn bis Osterburken mit fast allen Unterwegshalten. Die Weiterfahrt von einzelnen MEX 12 Zügen zur vollen Stunde von Heilbronn in der Hauptverkehrszeit bis Mosbach-Neckarelz wird ebenfalls gestrichen. Auch hier muss in Zukunft in Heilbronn auf die neue Regionalbahn RB 15 umgestiegen werden. Mit der Einkürzung des MEX 18 gibt es in Zukunft keine Direktverbindungen mehr aus dem Jagsttal und von zahlreichen Orten entlang der Frankenbahn von und nach Stuttgart, was für viele Pendler*innen die Mobilität deutlich einschränkt.

Durch den Wegfall der durchgehenden MEX 18-Züge wird es ab Dezember 2026 auch keine Direktverbindungen mehr zwischen Orten südlich von Heilbronn und Orten nördlich von Heilbronn geben, also etwa von Lauffen zu Audi in Neckarsulm oder von Kirchheim nach Bad Friedrichshall Hbf. Die einzige durchgehende Verbindung auf der Frankenbahn wird nur noch der RE 8 Stuttgart – Heilbronn – Würzburg sein, der aber zwischen Bietigheim-Bissingen und Heilbronn nicht hält.
„Das neue Konzept für den Verkehr auf der Frankenbahn ist unnötig und bringt der Region Heilbronn-Franken erneut nur Nachteile. Heilbronn und Nordwürttemberg werden ein weiteres Mal vom Land abgehängt, um im Gegenzug die verspätungsanfällige Verbindung Stuttgart – Tübingen zu stabilisieren.“
VCD-Vorstand Hans-Martin Sauter
Für den VCD ist das Argument zur Stabilisierung des Fahrplans nur bedingt nachvollziehbar, da die meisten Probleme auf der Linie erst mit der Durchbindung der Züge von Heilbronn über Stuttgart hinaus bis Tübingen entstanden sind und auch in diesem Abschnitt wegen des Mischverkehrs mit dem Fernverkehr die meisten Verspätungen entstehen. „Die heutigen Probleme gab es meist nicht, als MEX 12 und MEX 18 noch in Stuttgart Hbf endeten und starteten“, stellt Hans-Martin Sauter fest. Erneut würden „Lösungen“ für ein Problem präsentiert, das durch die Verkehrspolitik des Landes erst geschaffen wurde.
Der VCD fordert daher weiterhin, die MEX-Linien halbstündlich mindestens bis Bad Friedrichshall Hbf zu führen, so wie es der VCD bereits 2023 in einem Konzept vorgeschlagen hat. Leider haben das Land Baden-Württemberg und die NVBW nie auf die konstruktiven Vorschläge des VCD reagiert und stellen die Fahrgäste der Region nun vor vollendete Tatsachen. Der VCD weist zudem darauf hin, dass die MEX-Linie Stuttgart – Heilbronn mit nur 53 Kilometern eine der kürzesten im Land ist und zudem die einzige Linie, die durch Stuttgart hindurch führt. Alle anderen Linien enden und beginnen in Stuttgart Hbf und sind teils erheblich länger.

Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema MetropolExpress auf der Frankenbahn:
Was kritisiert der VCD am neuen Fahrplan ab Dezember 2026?
Die Einkürzung des MEX 18 auf Stuttgart – Heilbronn ist unnötig und zwingt Tausende Pendler*innen von Orten nördlich Heilbronn zu einem zusätzlichen Umstieg in Richtung Stuttgart. Angesichts der allgemeinen Verspätungssituation im Bahnverkehr in Baden-Württemberg insbesondere durch die Bauarbeiten zu Stuttgart 21 wird dies zu weiteren verpassten Anschlüssen und viel Frust bei den Fahrgästen führen.
Reichen denn Umsteigezeiten von vier Minuten in Heilbronn Hbf?
Wer regelmäßig mit dem Regionalverkehr in Baden-Württemberg und auf der Frankenbahn unterwegs ist, weiß, dass Umsteigezeiten von vier Minuten viel zu knapp kalkuliert sind und damit weitere Verspätungen und verpasste Anschlüsse geradezu programmiert sind. Schon heute funktioniert der Übergang vom RE 10 Mannheim – Heidelberg – Heilbronn zum MEX 12 Heilbronn – Stuttgart zur vollen Stunde oft nicht, obwohl hier meist sechs Minuten Umsteigezeit im Fahrplan stehen.
Werden unterschiedliche Betreiber auf der Frankenbahn miteinander kooperieren?
Erschwerend für die Fahrgäste kommt hinzu, dass nach den bisherigen Informationen des VCD ab dem Fahrplanwechsel 2026 unterschiedliche Betreiber für den MEX zwischen Stuttgart und Heilbronn und die Regionalzüge ab Heilbronn nach Norden verantwortlich sind. Die MEX-Züge werden wie schon der RE 8 von Arverio betrieben, während der RE 10 Richtung Mannheim und die neue RB 86 Richtung Osterburken von DB Regio betrieben werden. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass unterschiedliche Betreiber kein großes Interesse daran haben, auf verspätete Züge anderer Unternehmen zu warten, da sie sonst bei eigenen Verspätungen Strafen ans Land Baden-Württemberg bezahlen müssen.

Wird sich die Verspätungssituation auf der Frankenbahn durch die Maßnahme stabilisieren?
Der VCD glaubt nicht, dass das Abhängen der nördlichen Frankenbahn zu einem stabileren Fahrplan im südlichen Bereich führen. Zahlreiche Verspätungen entstehen aktuell durch Bauarbeiten für Stuttgart 21 und durch den unpünktlichen Fernverkehr im Abschnitt Stuttgart – Plochingen – Wendlingen. Weitere Probleme entstehen durch die heruntergewirtschaftete Infrastruktur der Frankenbahn. Daran wird sich auch durch das Abhängen des Abschnitts von Heilbronn bis Osterburken nicht viel ändern.
Was sagt der VCD zur Durchbindung der MEX-Züge von Heilbronn bis Tübingen?
Diese Durchbindung der MEX-Linien 12 und 18 wurde in vorauseilendem Gehorsam vom Land im Hinblick auf den künftigen Tunnelbahnhof Stuttgart 21 geschaffen und ist bis heute unnötig. Stuttgart 21 soll nun aber frühestens im Jahr 2031 teilweise in Betrieb gehen, so dass die Durchbindung weiterhin unnötig ist. Andere MEX-Linien beginnen und enden weiterhin in Stuttgart, weil hier sowieso die meisten Fahrgäste ein- und aussteigen. Warum ausgerechnet die MEX-Linien Tübingen – Stuttgart und Heilbronn – Stuttgart verknüpft wurden, andere aber nicht, ist aus Fahrgastsicht nicht nachvollziehbar.
Sollten die MEX-Linien 12 und 18 also wieder aufgespalten werden?
Wenn man die Pünktlichkeit ernsthaft verbessern möchte, wäre dies eine sinnvolle Maßnahme. Eine Stabilisierung des Fahrplans wäre durch die Rückkehr zum Zustand vor der Durchbindung sicherlich möglich, da sich so Verspätungen von der Linie Stuttgart – Tübingen nicht länger auf die Frankenbahn übertragen würden.
Was schlägt der VCD als Alternative für den MEX vor?
Der VCD fordert weiterhin, die MEX-Züge mindestens bis Bad Friedrichshall Hbf zu führen oder darüber hinaus bis Mosbach-Neckarelz oder Möckmühl/Osterburken. Eine Einkürzung der MetropolExpress-Züge auf die Relation Stuttgart – Heilbronn macht aus VCD-Sicht wenig Sinn, da es einen großen Ballungsraum mit großen Arbeitgebern (Audi, Schwarz-Gruppe, Bechtle, Kliniken, etc) und Tausenden Arbeitsplätzen entlang der Achse Heilbronn – Neckarsulm – Bad Friedrichshall gibt. Zudem bestehen in Bad Friedrichshall Hbf optimale Bedingungen, um SPNV, Stadtbahn, Bus und Autoverkehr auf der parallel laufenden B27 zu verknüpfen und für Pendler*innen attraktive Park+Ride Anlagen zu schaffen. Das ausführliche Konzept des VCD findet sich hier im Blogbeitrag. (red)
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